Die Quadranten
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Ken Wilber's Quadranten

Ken Wilber verwendet ein Weltsichtmodell, das u.a. in vier Quadranten eingeteilt ist. Damit sind vier grundsätzliche Betrachtungsweisen beschrieben, welche je einen Teilaspekt der Weltwirklichkeit darstellen. In jedem dieser Quadranten gibt es eine eigene evolutionäre Entwicklunsreihe mit korrespondierenden Bewusstseinsstufen. Doch das kann ich hier nicht weiter erläutern und verweise auf die Schriften von Ken Wilber. Wichtig daraus ist, dass diese vier Quadranten je ihre eigene Sprache haben, ihre eigenen Methoden zur Erkundung und Wahrnehmung und damit auch einen eigenen Wahrnehmungsraum.
In der heutigen Schulmedizin äussert es sich zum Beispiel fatal, wenn der Mensch nicht in allen seinen Dimensionen wahrgenommen wird. Jede Störung im menschlichen Wohlbefinden äussert sich in allen vier Quadranten. Leidet jemand an einer Depression, ist er nicht mehr arbeitsfähig(UR), sein Selbswert ist im Keller (OL), er fühlt sich von der Gesellschaft unverstanden und getrennt (UL) und im Gehirn stellen findige Mediziner fest, dass der Serotoninanteil unter dem Normalwert liegt (OR). Dies ist aber nur die Auswirkung; die Ursache liegt aber vielleicht am fehlenden bzw. momentan nicht erkannten Lebenssinn. Dieser ist aber nicht plötzlich da, nur weil von aussen der Serotoninanteil mit Medikamenten erhöht wird. Bei einer Störung muss also die Ursache im richtigen Qudranten diagnostiziert und angegangen werden.
Die einzelnen Quadranten in diesem Modell sind sehr komplex und können nicht einfach mit einem Begriff beschrieben werden. Deshalb verwendet Ken Wilber für die Bezeichnung einfach die Positionsangaben: Oben Links (OL), unten Rechts (UR) etc.

Die Qudranten nach Ken Wilber:

Bei Wilber's universellem Modell steht die obere Hälfte (individuell) grundsätzlich für die singulare Form einer beliebigen Einheit (Entität oder Holon). Das tönt sehr philosophisch-theoretisch und ist es auch. Wird dies auf den Mensch bezogen, beschreibt es seinen stofflichen Körper (alles was objektiv gemessen und äusserlich beschrieben werden kann) wie auch sein Denken, Empfinden und Wahrnehmen.
Die untere, soziale Hälfte steht für den Menschen, wenn er in der Vielzahl auftritt und innerhalb einer Gruppe, Famile, Staat etc. steht.
Die zweite Halbierung unterscheidet zwischen Innen und Aussen. Mit Aussen ist alles gemeint, was objektiv beschrieben werden kann, was gemessen, gewogen oder sonstwie quantifiziert werden kann. Es ist auch das, was mit unseren unmittelbaren Sinnesorganen erfasst werden kann. Diese Bereiche können von mehreren Personen gleichzeitig und auf mehr oder weniger gleiche weise wahr genommen werden (Ein Bild ist für alle sichtbar, ein Ton für alle hörbar). Die Bedeutung dieser Wahrnehmung ist aber der Bereich der inneren Welt und ist sehr subjektiv. Ein Gefühl kann nicht von aussen "objektiv" wahr genommen werden; dieses muss von der betreffenden Person beschrieben werden, damit andere Personen davon einen Eindruck bekommen können.
Für mich ist es manchmal geradezu grotesk, wenn nur die äussere Welt als "wirklich" deklariert wird und als Beispiel für jede menschliche Störung nach dem entscheidenden Gen, Stoff oder Molekül geforscht wird, um damit diese Störung mit einem entsprechenden Mittel zu "reparieren", dessen Ursache aber in der inneren Welt liegt und dort nur eine wirkliche Heilung ansetzen kann.

Die astrologischen Quadranten

In der Astrologie wird das Horoskop durch die Hauptachsen in vier Bereiche aufgeteilt. Diese ergeben verschiedene Erfahrungs- und Bewusstseinsbereiche:

In der Astrologie steht hier das Ich für die Selbsterhaltung, den Selbstwert, das Lernen für die primären Lebenserfordernisse, die persönliche Eigenart (Individualität), den persönlichen Platz in der Gesellschaft und auch die eigene spirituelle Erfahrungswelt. Das Du steht für alle Bezüge zu anderen Personen, zu den Aufgaben und Funktionen in der Gesellschaft wie in der Familie, aber auch die persönliche Selbstdarstellung in der Gesellschaft, kollektives Wissen und Güter, Weiterbildung und die Gesundheit.

Auf der Taghälfte befinden sich die Bereiche, in welchen wir unseres Bewusstseins gewahr sein können und aktiv-rational Handeln können. Da können wir Entscheide treffen, logisch Schlussfolgern und uns bewusst in einen Zusammenhang stellen.
Die Nachthälfte stellt die unbewussten Bereiche dar, zu welchen wir keinen rationalen Handlungszugang haben. Wir sind uns unserer Persönlichkeit hier nicht bewusst handeln instinktiv-emotional. Die Nachthälfte beschreibt unsere innere Welt.

Vergleich beider Modelle

Dieses astrologische Modell hat nun eine gewisse Ähnlichkeit mit den vier Quadranten nach Ken Wilber. Damit die Ähnlichkeit deutlich wird, muss die astrologische Darstellung um 90 Grad gedreht werden, so dass der AC nun oben ist. Daraus ergibt sich folgende Gegenüberstellung:

Ken Wilber's Quadranten

Astrologische Quadranten

OL

innen-individuell

I.

Ich-unbewusst (Nacht)

UL

innen-sozial

II.

Du-unbewusst

UR

aussen-sozial

III.

Du-bewusst (Tag)

OR

aussen-individuell

VI.

Ich-bewusst


Von weitem betrachtet, scheinen diese beiden Modelle recht gut übereinzustimmen. Es ist auch ein ähnlicher Grundgedanke dahinter, wie die Welt "gevierteilt" werden kann. Doch geht man mehr in die detaillierten Ausführungen, werden die Unterschiede deutlich. Die Astrologie hat ihren Fokus auf die Bewusstseinsentwicklung gerichtet und ist zyklisch-hierarchisch aufgebaut. Ken Wilbers's Quadranten möchten mehr auf unterschiedliche Wirklichkeitsbereiche hinweisen. Bei ihm ist die Entwicklung jeweils innerhalb eines Quadranten linear-hierarchisch. Beide Modelle haben aber unbestreitbar ihre Richtigkeit und auch ihre Bedeutung, wenn wir schlussendlich den Menschen und damit uns selber besser verstehen möchten.

rb

Literatur:

"Eine kurze Geschichte des Kosmos", Fischer TB 1996

"Eros, Kosmos, Logos", Krüger Verlag 1996