Jyotish
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Grundlagen

Jyotish bedeutet "Pfad des Lichtes" und damit ist die indische Astrologie gemeint; sie wird auch vedische oder hinduistische Astrologie genannt.
Diese Astrologie beruft sich auf Quellen, welche in den vedischen Schriften bis über 6000 Jahre zurückreichen. Die indische Astrologie hat sehr viele Eigenheiten und man kann sie nicht einfach mit der abendländischen mischen. Im Laufe der Geschichte haben aber die ursprünglichen Grundlagen der abendländischen Astrologie die der indischen beeinflusst. Dies war besonders stark ab dem 3. Jh. v. Ch, als die Griechen grosse Teile von Indien eroberten. Deshalb sind heute in der indischen Astrologie Ähnlichkeiten mit der westlichen Astrologie zu finden. Doch die Unterschiede sind heute zu gross, als dass z.B. indische Deutungstexte direkt auf ein westliches Horoskop angewandt werden dürfen. Eine grosse Differenz besteht in der Art vom Tierkreis: Der indische, siderische Tierkreis hat den Nullpunkt im Sternbild Widder bei 0° ; der westliche, tropische Tierkreis hat den Nullpunkt beim Frühlingspunkt. Diese beiden Nullpunkte unterscheiden sich heute ca. um 24° und schreiten mit der Präzession alle 72 Jahre um 1° fort. Das heisst, für eine Positionsangabe im indische Horoskop muss vom westlichen Wert das sogenannte Ayanamsa von ca. 24° abgezogen werden.
Generell ist in der indischen Astrologie der Mond viel stärker betont. Da sowohl vom Mond wie der Sonne astrologische Techniken abgeleitet sind, ist die Deutung auch komplexer und schlussendlich differenzierter aufgebaut als in der westlichen Astrologie. Als Folge davon können gute indische Astrologen genauere, konkrete Aussagen machen als wir es aus unserer Astrologie herleiten könnten.

Astronomie in Indien

Der Astronomie wird in Indien von den Astrologen viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das hängt mit dem traditionellen indischen Kalender zusammen. Vor allem die Mondphasen und auch andere Erscheinungen müssen immer wieder durch Beobachtungen mit den berechneten Positionen verglichen werden, um zu erkennen, ob wieder ein Schalttag eingefügt werden muss. Je grösser diese Hilfsmittel sind, umso genauer kann die Messung durchgeführt werden. Aus diesem Grunde sind auch astrologische Sternwarten gebaut worden. Drei dieser Sternwarten wurden im 18 Jh. in Dehli, Jaipur und Benares vom Maharadscha Jai Singh II. nach alten Plänen neu gebaut.

Sternwarte in Jaipur


Detail der Sternwarte in Dehli

Die Beobachtungen werden ohne Fernrohr mit einfachen Hilfsmitteln durchgeführt. Das ist unter anderem auch ein Grund, weshalb in der indischen Astrologie nur mit den sieben alten Planeten gearbeitet wird (Merkur bis Saturn sowie Sonne und Mond). Dem Mondknoten kommt eine wichtige Rolle zu. Der aufsteigende (Rahu) und der absteigende (Ketu) sind den Planeten in ihrer Bedeutung fast gleich gestellt. Somit werden 9 Faktoren in der indische Asrologie verwendet. Da im Zahlensystem mit einer Ziffer auch nur 9 Zahlen vorhanden sind, wird das auch als Hinweis auf die vollkommene Anzahl der Horoskopfaktoren betrachtet. Modernere Strömungen lassen die "neuen" Planeten Uranus, Neptun und Pluto zwar in einem Horoskop zu, sie haben aber nur eine untergeordnete Bedeutung wie etwa bei uns in der Stundenastrologie.

Wie wird Jyotish gelernt?

Die Lehrzeit für einen Jyotishi (Astrologen) dauert länger als bei einem westlichen Astrologen. Gelehrt wird hauptsächlich im Meister - Schüler Verhältnis. Zum Teil können die Grundlagen auch in Kursen an Universitäten erlernt werden. Die Praxis wird aber erst in mehreren Lehrjahren bei einem Astrologen erworben. Astrologische Lehrbücher haben in diesem System eine andere Rolle als bei uns. Diese Bücher sind meist in englisch verfügbar und können von einem westlichen Leser von der Sprache her auch gelesen werden. Darin enthalten sind stark vereinfachte Kernausagen, welche mehr als Zusammenfassung und Ergänzung zur astrologischen Ausbildung bei einem Meister gedacht sind. Aus solchen Werken kann man sich niemals in dem Umfang ein Verständnis der indischen Astrologie aufbauen, wie es bei vielen Astrologiebüchern über die abendländische, heute vorwiegend psychologisch orientierte Astrologie, möglich ist.
Es gibt nicht viele Werke, welche von indischen (oder westlichen) Autoren verfasst wurden und welche von der Sichtweise und dem Verständis eines westlichen Astrologen ausgehen. Im Anhang sind einige davon aufgeführt.
Im englischen Sprachraum hat sich die indische Astrologie seit mitte der 90iger Jahre zu einem eigentlichen Boom in der Astrologieszene entwickelt. In Fachzeitschriften nimmt die indische Astrologie heute einen breiten Raum ein; nebst speziellen Fachartikeln sind Einführungen und ständige Rubriken zu diesem Thema enthalten. Die aktuellen Himmelskonstellationen werden auch aus der Sicht der vedischen Astrologie kommentiert. Damit einher gehen Kongresse über indische Astrologie, Angebote zu Fernstudiengängen und Beratungsangebote vedisch orientierter AstrologInnen.
Der kürzlich verstorbene Richard Houck war ein massgeblicher Initiant des ersten grossen Kongresses über indische Astrologie in Amerika. Er selber arbeitete auch mit einer Synthese aus westlicher und indischer Astrologie.

In Deutschland gibt es seit kurzem ein Ableger derDirah-Akademie, welche indische Astrologie als Fernstudium im Deutsch anbietet.

Der indische Astrologe Mitram bei der Arbeit

 

Literatur, Software und Links

Bücher in Deutsch

"Praxisbuch der Vedischen Astrologie" von Gudrun Schellenbeck und Nicholas Lewis / Chiron Verlag
Aktuelles Lehrbuch der deutschen Ausbildungsstätte für vedische Astrologie. Sehr ausführlich und mit vielen praktischen Beispielen, wie die vedischen Astrologie angewandt werden kann.

"Grosses Handbuch der Vedischen Astrologie" von Siebelt Meyer (Jyotish Shastri) / Windpferd
Fundiert aufgebautes Lehrbuch, mit Übungen für das Selbststudium

"Astrologie der Seher" von Dr. David Frawley / Windpferd
Sehr empfehlenswerte Einführung in die Grundlagen der vedische Astrologie. Der Autor ist bekannt als Arzt und Ausbildner in Ayurveda, der vedischen Gesundheitslehre.

"Die indische Mondastrologie" von James Braha /O.W.Barth
Das erste moderne Werk, welches ein in Amerika lebender Inder verfasst hat. Gute Einführung; der Schwerpunkt bildet eine kochbuchartige Beschreibung der Planeten in den einzelnen Häusern.

"Indische Astrologie" von Komilla Sutton /Ebertin
Die in England lebende Autorin hat eine sehr gut verständliche Einführung geschrieben. In ihrem Werk werden einige der vielen Techniken näher erläutert wie z.B. das Nakshatras-System.

"Der Tod in der Astrologie" von Richard Houck / Knaur
Dies ist kein reines Einführungswerk in die indische Astrologie, ist aber ein gutes Beispiel, wie die indische Astrologie in einer westlichen Praxis eingesetzt werden kann. Der Autor setzt beide Astrologiesysteme gleichermassen ein.

"Hinduismus" von Vanamali Gunturu / Diederichs
Kompakte Einführung in die indische Kulturgeschichte. Ohne Verständnis der indischen Kultur ist es nicht möglich, sich in der indischen Astrologie zurecht zu finden.

 

Bücher in Englisch

Die hier erwähnten englischen Bücher können meistens von Internet-Versandbuchhandlungen besorgt werden.
Folgende 3 Bücher sind gut verständliche Einführungen für westliche Leser:

"Light on Life" von Hart deFouw und Robert Svoboda / Penguin Books, London
Die Erläuterungen in diesem Buch gehen meist tiefer als in den anderen Einführungsbüchern, sehr empfehlenswert.

"The Astrology of the Seers" von David Frawley / Motilal Banarsidass, Dehli
-> seit 2003 in deutsch erhältlich!

"Indian Astrology" von Ronnie Gale Dreyer / HarperCollins, Dehli

Die Werke von B.V. Raman sind sehr verbreitet und sind im typischen Stil für indische Astrologen geschrieben. Sie empfehlen sich nur, wenn man bereits die ersten Grundlagen in indischer Astrologie erarbeitet hat. Aus seinen Werken sei nur ein sehr spezielles vorgestellt:

"Three hundred important combinations" von B.V. Raman / Motilal Banarsidass, Dehli
In diesem Buch werden 300 Planetenyogas erläutert. Das sind Kombinationen von je mehreren Planeten in bestimmten Stellungen. Die Deutung dieser Yogas nimmt einen wichtigen Platz in der Radixdeutung ein. Es gibt mehrere tausend Yogas, wovon ein guter Jyotishi viele auswendig kennt. Also fangen wir an, wenigstens die ersten dreihundert auswendig zu lernen ....

Software für indische Astrologie

Wer sich zu Beginn ein indisches Horoskop berechnen lassen will, ohne ein Programm zu installieren, kann dies online bei Jyotish.net durchführen. Auf dieser Seite sind ausserdem sehr gute einführende Texte (englisch) zur indischen Astrologie enthalten.

Wer nur die Positionsangaben der Planeten im siderischen Sytem benötigt, kann dies heute mit den meisten westlichen Astrologieprogrammen ausführen. Z.B. In Chiron 5.2 und höher (erhältlich beim SAF unter Astroshop) ist diese Option auch vorhanden.
Vor allem westliche Astrologieprogramme aus Amerika (z.B. Solarfire 5 oder das Forschungsprogramm AstroDatabank 3) bieten immer mehr Optionen, um nebst den klassischen westlichen Techniken auch vedische Horoskope in ihren Grundzügen zu berechnen.

Ein gratis Einsteigerprogramm für indische Astrologie ist Junior Jyotish 1.09

Empfehlenswerte kommerzielle Software ist erhältlich in deutsch bei www.vedische-software.de oder bei www.parashara.com, in englisch bei www.vedicsoftware.com oder bei www.goravani.com . Beim Programm von Goravani-Jyotish kann man Supportfragen auch in Deutsch an den Programmautor richten, da seine Ehefrau aus der Deutschschweiz stammt.

Zeitschriften, Verbände und Portale

Die deutsche Ausbildungsstätte Dirah-Akademie bietet einen guten Einstieg, auch beim deutschen Autor Siebelt Meyer sind einige Infos zur vedischen Astrologie verfügbar.

Weitergehendes Material zur indischen Astrologie ist fast nur auf englisch erhältlich. Ein amerikanische Zeitschrift mit dauernden Rubriken und Fachartikeln zur indischen Astrologie ist The Mountain Astrologer .
Von den Verbänden seien hier genannt: American Council of Vedic Astrology , European Institute of Vedic Studies (Infos auch auf Deutsch), The British Association for Vedic Astrology .

Ergiebige Einstiegsportale zur indischen Astrologie sind nebst Jyotish.net auch Vedicweb , Vedic Sciences (von Dennis Flaherty) sowie die Seiten der Autoren Komilla Sutton und James Braha . Wer sich ausser für Jyotish noch für andere vedische Wissenschaften interessiert, findet einen Einstieg beim Ayurveda-Institiut. Die nach eigenen Angaben grösste indische Astrologiezeitschrift ist der Starteller .

© Rolf Baltensperger 1/2004