Varuna
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Entdeckung

Am 28. November 2000 wurde vom"Spacewatch Project" Forscherteam in Arizona/USA ein neuer Kleinplanet in der Nähe Plutos entdeckt. Die systematische Bezeichnung für diesen Körper lautet "2000 WR106 / 20'000". Diese Entdeckung erregt ein ähnliches Aufsehen wie die von Chiron 1977. Bereits etwa 4 Monate nach der Entdeckung wurde der neu entdeckte Körper mit Varuna benannt. Dies ist ein Name aus dem indischen / vedischen Kulturkreis und ist, wie üblich, von den Entdeckern als Name vorgeschlagen worden. Es ist der bislang grösste Himmelskörper ausser Pluto mit seinem Mond Charon, welcher im Kuipergürtel entdeckt wurde.

Bei vielen Astronomen wird Pluto heute als Asteroid betrachtet und ist damit eigentlich vom Planetenstatus degradiert worden. Er ist der König vom Kuipergürtel, einer Asteroidengruppe, welche bereits um 1951 durch den Astronomen Gerhard P. Kuiper postuliert wurde. 1992 wurde der erste Asteroid "1992 QB1/15760" in dieser Region entdeckt, weitere folgten in den darauffolgenden Jahren.
Dass Varuna trotz seiner Grösse erst jetzt entdeckt wurde, wird damit begründet, dass seine Oberfläche etwa 8 mal dunkler als diejenige von Pluto sei und dies als Zeichen für sehr wenig Eis auf der Oberfläche gedeutet wird. Auch steht er zur Zeit in einer eher helleren, dichten Sterngruppe, was ihn eher unauffällig macht.

Der sich bewegende Punkt in der folgenden Darstellung ist Varuna.

Foto/ Entdeckung: Spacewatch Team vom Lunar and Planetary Laboratory (LPL) der Universität Arizona am 28.11.2000

 

Bahndaten

Am Entdeckungstag stand Varuna auf 10°30' retrogard im Krebs. Die Bahn von Varuna ist beinahe kreisförmig, die Neigung zur Ekliptik beträgt 17°. Mit einer Umlaufzeit von 285 Jahren ergibt sich ca. alle 24 Jahre ein Zeichenwechsel. Diese Wechsel sind wegen der regelmässigeren Bahn gleichförmiger als bei Pluto. Von der Erde aus gesehen ist Varuna pro Jahr etwa 5 Monate rückläufig. Auf der Internetseite von Astrodienst sind Ephemeriden in 10-Tagesschritten erhältlich sowie eine Ephemeridendatei (Datei SE20000s.se1 im Download-Bereich), womit Varuna in einigen Astrologieprogrammen in die Berechnungen eingebunden werden kann.

Horoskop vom Entdeckungstag 28.11.2000 in Tucson/ Arizona / USA

 

Ephemeriden

Die Ephemeridentabellen können mit den folgenden Links aufgerufen werden:

1991 - 2002 in Monatsschritten
1870 - 1990 in Jahresschritten

 

Mythologie

Quellentexte

folgender Text mit der Grafik wurde aus einer Internetseite über Hinduismus entnommen und durch den Autor übersetzt:

Varuna ist der Sohn der Göttin Aditi und vom Gott Kashyaba und ist ein vielgestaltiger, archaischer Gott. Ein bekannter Bruder von ihm ist Mitra. Manchmal war er auch weiblich, manchmal verkörperte er sich als androgynes Wesen und symbolisierte auch die sexuelle Vereinigung; er galt als omnipotent.
Varuna wird als Weisser Mann in einer goldenen Rüstung dargestellt, welcher auf dem Seemonster Makara reitet. Er hält eine Schlange in der Form einer Schlinge in der Hand. Ihm wird gehuldigt mit Verehrungen und einer gesunden Portion Angst, weil Varuna auch eine unheimliche Seite hat und bekannt war, dass er Sterbliche bestraft, welche ihr Wort nicht gehalten haben. Üblicherweise fängt er die Täter mit Hilfe seiner Schlinge.

Er ist auch der kosmische Henker; ein Herr des Todes, eine Position, welche er mit Yama teilt, und wenn Yama es wünschte, konnte Varuna Unsterblichkeit verleihen.
In späteren Zeiten fiel die Verehrung von Varuna ab und Indra ersetzte ihn als König der Götter und des Himmels. Varuna wurde neu der Gott der Ozeane und Flüsse, was immer noch ein wichtige Aufgabe war. Die Seelen der Ertrunkenen kamen zu ihm, er wird jeweils von den Nagas begleitet. Manchmal verschwindet Varuna in Begleitung von Shiva und Vishnu.

Aus "Who's who im Himmel" / D. u. G. Bandini:

In früheren, vedischen Zeiten war Varuna einer der wichtigsten Götter Indiens. Als Himmelsgott überblickte er mit Hilfe seines leuchtenden Auges, der Sonne, und seiner unzähligen Späher, den Sternen, die ganze Welt und war dementsprechend allwissend. Er sorgte dafür, dass nachts der Mond scheint, er breitete die Erde als Teppich für die Sonne aus und legte darüber die Luft. Er befestigte die Berge und bewirkte, dass die Meere nicht überflossen. Nach seiner Anweisung flössen die Flüsse, regnete es oder schien die Sonne. Auch bei den Lebewesen achtete er darauf, dass Recht und Ordnung gewahrt blieben - und Bösewichter fing er, wie später dann Yama, mit seiner Schlinge und führte sie ihrer Strafe zu. Kurz: Er war der Herr der kosmischen Ordnung und der Wahrheit (weswegen die Menschen gern in seinem Namen schworen) - ein Amt, das er gemeinsam mit Mitra versah. Mit letzterem stand er übrigens auf so gutem Fusse, dass er mit ihm nicht selten eine "Doppelgottheit" bildete: Mitravaruna. Als Gebieter über den Regen stand Varuna seit jeher mit dem Wasser in enger Verbindung, und so strafte er Übeltäter gern mit Wassersucht.
Später dann sollen die Götter Varuna gebeten haben, doch regelrecht Herr über die Gewässer zu werden: "Alle Flüsse der Welt", so sagten sie, "und der Ozean, der ihr Gemahl ist, werden dir gehorchen. Und du wirst zu- und abnehmen wie der Mond." Varuna willigte in ihre Bitte ein, und Brahma ernannte ihn obendrein zum Beschützer der Himmelsrichtung Westen.
Diese neuen Funktionen dienten aber nur dazu, zu bemänteln, dass Varuna als Hauptgott ausgedient hatte, dass andere seine Aufgaben übernahmen und er im weiteren eine immer geringere Rolle spielen würde. So muss er sich inzwischen mehr oder weniger damit begnügen, auf seiner Schildkröte oder seinem Krokodil zu reiten, sich mit seiner Gattin Varuni, der Göttin des Weines, oder mit einer anderen seiner Frauen zu amüsieren - oder den vergangenen goldenen Zeiten nachzutrauern.

Aus "Lexikon der Mythologie" /G.J. Bellinger:

Varuna (sanskr. "der Allumfassende"): l) ved. Himmelsgott und allwissender Erhalter der Welt. 2) brahm. Schutzgott von Wahrheit, Recht und Ordnung (rita). Als Sohn von Kashyaba und Aditi ist er der bedeutendste Aditya und gilt als Gatte der Varuni/Varunani. Der Herrscher über das Dunkle der Nacht empfängt im Gegensatz zu seinem Bruder Mitra die dunklen Widderopfer. 3) hindu. Meeres- und Regengott sowie Schutzgott der westlichen Himmelsrichtung (Lokapala). Ikonographisch ist er gekennzeichnet durch die Attribute von Schlinge und Sonnenschirm. Sein Vahana ist Makara, seine Farbe Weiss oder Blau.

Zusammenfassung

Varuna ist in der ursprünglichen vedischen Mythologie eine zentrale Gottheit und ähnelt in gewisser Hinsicht Uranos aus der griechischen Mythologie. Innerhalb vom heutigen Hinduismus sind die Veden der älteste Teil der Überlieferungen. Seine zentrale Stellung als Gott des Kosmos büsste Varuna später im Hinduismus ein und er ist somit auch ein Symbol für einen entthronten Gott, welcher auf einen weniger bedeutenden Herrschaftsbereich wegbefördert wurde. Seine spätere Stellung als Herrscher über die Meere, Flüsse, das Wetter wie auch der westlichen Himmelsrichtung ähnelt wiederum Neptun aus der griechischen Mythologie.

Deutung von Varuna in der Astrologie

Wenn ein neuer Himmelskörper entdeckt wird, kommt die Frage auf, wie eigentlich astrologisches Deutungswissen zustande kommt. Die Mythologie liefert uns dazu sicher wichtige Impulse und Ansätze, in welchen Lebensbereichen sich eine aktivierter Varuna im Leben zeigen kann. Es ist vergleichbar mit Traumsymbolen, welche eine allgemeine Bedeutung haben und schlussendlich bei jedem Traum die individuelle Bedeutung erarbeitet werden muss. Die Astrologie ist eine Erfahrungswissenschaft, welche ihre Aussagen aus bisherigen Beobachtungen ableitet. Das heisst, dass zuerst Erfahrungsmaterial gesammelt werden muss. In Horoskopen, in welchen Varuna eine dominante Stellung einnimmt, sind am deutlichsten seine typischen Spuren zu erwarten. Von der Mythologie her können erste Hinweise kommen, in welchen Bereichen dieses typische eines astrologischen Symbols sich zeigen kann. Aufgrund obiger Texte zur Mythologie stellen sich mir folgende Fragen und Deutungsbereiche, welche ich untersuchen werde:

Der entthronte König.
Gibt es Bereiche, wo beim Nativen der Eindruck besteht, er sei eigentlich der rechtmässige König bzw. ihm stehe ein Herrschaftsreich zu?
Versucht jemand (mit allen Mitteln), ein König- oder Herrschaftsreich aufzubauen, stösst aber auf Widerstand? Dies kann auch auf einem speziellen Gebiet sein.

Der Herrscher über die Meere, die Flüsse und das Wetter
Tritt Varuna in der Mundanastrologie hervor im Bereich Klimaveränderung, Regenfälle (oder auch Dürren), Fluten?
Sind damit auch die seelischen Bereiche vom Menschen gemeint?

Der König / der Herrscher
Wie tritt Varuna bei realen Herrschern, Königen, Politikern und Mächtigen hervor?
Treten gewisse Themen hervor, wenn Varuna im Zusammenhang mit einem Herrschaftsbereich auftritt?

Herrscher der westlichen Himmelsrichtung
Wie zeigt sich die Herrschaft über die westliche Richtung, der Richtung des Sonnenunterganges und dem Dunkel der Nacht?

Es wird sich in nächster Zeit zeigen, in welchen Zusammenhängen Varuna gehäuft anzutreffen sein wird und zu was für Schlüssen andere Autoren in diesem Zusammenhang kommen werden. Es folgt eine Auflistung von Personen, in deren Horoskop ich Varuna in einem genauen (Orbis kleiner 1 °) Hauptaspekt zu einem persönlichen Planeten gefunden habe.

Caspar David Friedrich

- 0°- SO u. - 0°- MK

Ronald Reagen

- 0°- VE u. - 60°- MA

Madonna

- 0°- MA

Fritjof Capra

- 0°- SA

John Cage

- 180°- AC

Frederico Fellini

- 180°- AC

Christoph Blocher

- 180°- SO

C.G. Jung

- 180°- ME

Max Bill

- 90°- VE

Herbert v. Karajan

- 90°- VE

Heino

- 90°- VE

Noel Tyl

- 90°- MA

Janis Joplin

- 90°- JU

Ursula v. Mangoldt

- 60°- JU

Alfred Hitchkock

- 60°- SA


Diese Auswahl ist keine statistische Untersuchung, aber mein subjektiver Eindruck ist, das bei Künstlern gehäuft eine markante Varunstellung zu finden ist. Der damit verbundene Planet gibt meist das Gebiet an, in welchem die entsprechende Person herausragendes geleistet hat und deshalb auch berühmt wurde.

 

© Rolf Baltensperger 2001

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